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Archive for Juli 2012

keine Angst im dunklen Keller, fasse Spinnen mit dem Handtuch an – wenn sie nicht zu dick sind – und setze sie vorsichtig raus. Da bin ich doch ganz schön mutig – oder? Bungee-Springen mach ich deshalb nicht, weil das den Gelenken nicht gut tut und für vieles andere hab ich auch ganz tolle Erklärungen.

Jeder hat sicherlich seine eigene Mut-Scala – wo sind da eigentlich unsere Vorbilder – holen wir uns die von den vielen Krimis, wo die Mutigen ja zuhauf geliefert werden, die dann mit den Fäusten oder der Knarre die Situation klären, die Unterdrückten befreien – na halt für Gerechtigkeit sorgen. Ich unterstelle mal, dass diese harten Kerle in der Notaufnahme des Krankenhauses schon schnell an ihre Grenzen kämen, das richtige Blut sieht doch irgendwie echter aus. Welcher junge Mann war eigentlich mutiger: der sich für den Wehrdienst oder der sich für den Zivildienst entschied? Ich behaupte mal, dass manch knackiger Fastsoldat vor den Herausforderungen eines Zivis im Umgang mit Alten oder Behinderten schlicht überfordert wäre und weglaufen würde.

Wen empfinde ich denn wirklich als mutig – wo ist meine Werteskala? Sich auf die Seite des Gemobbten stellen über den sich gerade die ganze Gruppe kaputtlacht, das scheint mir ganz schön mutig. Wo sind wir feige – wo sehen wir weg? Wo lassen wir Ungerechtigkeiten zu obwohl wir eine Stimme haben? Ich kenne sie auch nur zu gut die vielen Ausreden, wieso ich in dem speziellen Fall gerade nicht helfe – nur mit Mut hat das nix zu tun. Muss ich dann vielleicht nach außen noch mutiger tun weil ich das selbst nicht so gut aushalten kann, dass ich so feige bin? Kommen daher diese ganzen Kraftmeier?

Wie schaut es denn mit den Mutproben aus, die das Leben uns stellt: sich für Fehler zu entschuldigen ohne wenn und aber z.B. Oder da hinschauen, wo man wahrlich kein toller Kerl war – vielleicht hat es niemand mitbekommen, wie man jemanden übers Ohr gehauen hat – aber sich das mal einzugestehen, dass man gar nicht der Supermann oder die Superfrau ist, der/die man so gerne sein möchte. Sich dann auch so annehmen zu können mit allen Fehlen, Ecken und Kanten wie man ist – an Verbesserungen arbeiten und aufrecht durchs Leben gehen, das erscheint mir eine große Handlung. Es gibt nämlich keine Menschen ohne Fehler – also kann ich diese auch gleich zugeben und muss dieses unwürdige Spiel gar nicht mitspielen. Wie viel Kraftanstrengung kann ich sparen, wenn ich mir selbst eingestehen kann, dass ich auch mit Schwächen geliebt werde. Ach ja, wer legt die denn überhaupt fest diese Schwächen? Gibt es da irgendwo einen Katalog im Internet? Oder hab ich mir das selbst zurechtgeschustert?

Wieso begreifen wir so schwer, dass es so liebenswert macht, wenn man Fehler eingesteht, dass das Gegenüber dann nicht dieses unwürdige Spiel mitspielen muss – so zu tun, als würde er diese Schwächen nicht sehen oder noch schlimmer, den anderen noch für den nicht vorhandenen Mut loben soll. Wobei sicherlich zu definieren ist, was überhaupt ein Fehler ist. Wir sind da so schnell dabei, etwas in Falsch oder Richtig zu unterteilen, als gäbe es kein grau.

Ich fragte mal einen Polarforscher, was seine wichtigste Erkenntnis auf seinen Expeditionen gewesen sei: „es gibt dort kein Falsch – nur die Erkenntnis, dass der eingeschlagene Weg nicht zum Ziel führt.“ Hurra was für eine tolle Erkenntnis – wieso geht das nicht auch hier im richtigen Leben. Sollten wir auf diesem Weg Menschen verletzt haben, so entschuldigen wir uns und schon geht ein neuer anderer Weg weiter. Wäre das zu einfach?

In unserer Gesellschaft ist auch ein Mann der weinen kann mutig –  es ist sogar sehr wohltuend wenn man sehen kann, dass da Gefühle sind. Mutig ist, sich verletzbar zu machen – ach es gibt so viele tolle Momente mutig zu sein – dafür braucht man gar nicht die Faust oder die Knarre.

Ach, wenn wir doch schon den kleinen Jungs und Mädchen klar machen könnten, dass Fehler eingestehen Stärke ist, dass sie dann tolle Typen sind, wenn sie zugeben können, wenn was schief gelaufen ist. Seien wir mutig und machen es ihnen vor…….

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Klar haben wir alle unsere Sehnsucht nach Freiheit in uns – auch die Werbung gaukelt es uns so oft vor. Sogar eine Zigarettenmarke war so dreist die Freiheit zu versprechen, wenn man sie raucht. Dabei sind nun gerade da die Fesseln versteckt – sei’s drum.

Tun und lassen können was man will, so richtig drauf los leben, keine Verantwortung haben – dann gibt es Freiheit ja nur in der Jugend oder als Hippie oder wenigstens etwas als Single oder? Reichlich Geld und Zeit haben – auch ohne Arbeit. Jeder hat hier sicherlich seine eigenen Bilder im Kopf. Entsteht so das Freiheitsbedürfnis der Menschen in der Midlife-crisis die alles aufgeben um noch mal neu und vermeintlich unbelastet zu starten?

Ja, und dann, wofür nutzen wir nun diese Freiheit – um tagelang am Strand zu liegen – das ist uns allen klar, das Sektglas ist schnell ausgetrunken. Muss es nicht mehr der Armani Anzug sein sondern reichen zwei Hosen für die Saison? Mit wie wenig komme ich aus, was kann ich alles verschenken, worauf kann ich verzichten – und vor allen Dingen, was liefert mir das Glücksgefühl, welches ich hinter der Freiheit vermute? Ok, ich werde von morgens bis abends meinen Hobbys nachgehen, wahnsinnig viel Sport machen – hab kein Gehetze mehr und kann vor Freude nicht in den Schlaf kommen. Wird das so funktionieren?

Wo kann ich die Freiheiten des Anderen ertragen oder bekomme ich zusätzlich zur Freiheit noch eine unendliche Geduld mitgeliefert? Wenn der Andere sich die Freiheit nimmt nachts laut Musik zu hören, dass die Bässe knallen – wie geh ich damit um? Wo sind da meine Grenzen oder besser gesagt, wo überschneiden sich schmerzvoll unsere Grenzen?

Was für eine Luxus-Frage in unseren Breiten, wenn man an die Wucht des Wortes denkt, die für andere Menschen in anderen Lebensumständen hinter der Freiheit steht. Freie Meinungsäußerung, freie Religionswahl und so viel mehr. Aber ich bleibe hier bei uns – obwohl so ein Blick über den Tellerrand auch ganz gesund ist.

Ach, ich glaube, wir tummeln uns erstaunlich konsequent in Äußerlichkeiten wenn wir von Freiheit reden. Ich meine, richtige Freiheit kann nur von innen kommen – da muss ich dann jedoch mal genauer hinsehen, kann mir nicht weiter etwas vormachen. Frei sein von der Maske die ich zu meinem Schutz trage, frei sein vom Rollenspiel das sich leider so eingeprägt hat weil es einfacher ist das zu liefern, was mein Umfeld von mir erwartet. Unabhängig sein von den Statussymbolen und meinem goldenen Käfig, den ich mir selbst gebaut habe. Die schöne Ausrede sausen lassen, was man doch so alles für Verpflichtungen hat um sich bedauern zu lassen.

Frei sein von Schuld – ups, wie soll das denn gehen? Erst einmal können/müssen wir uns das mal eingestehen, dass wir auch Fehler gemacht haben und auch in Zukunft machen werden. Ja und dann den Anderen um Verzeihung bitten und uns auch selbst verzeihen – hui, ja das macht frei. Diese Freiheit die Leichtigkeit schenkt und einen vor Freude nicht in den Schlaf finden lässt.

Vielleicht sollten wir auch unsere Blickrichtung ändern – klar machen Kinder unfrei, aber was für ein riesiges Geschenk sind sie. Was eröffnen sie für einen Erlebnis- und Gefühlshorizont, der mir sonst verschlossen blieb. Wohin wollen wir schauen, zur Unfreiheit oder zum Geschenk, welches Kinder liefern. Es sei statistisch erwiesen, dass Menschen am glücklichsten seien, wenn sie anderen helfen. Klar ist diese Hilfe Arbeit – aber wenn sie doch glücklich macht……  Auch der Sport oder das Hobby sind mit Unfreiheit verbunden – statt faul auf dem Sofa zu liegen – aber sie bedeuten mir was oder besser, schenken mir was.

Selbst ausloten und wissen, dass der Einsatz sich lohnt – das macht frei. Klar macht „sich verlieben“ unfrei – aber wer würde darauf verzichten wollen?

Schon der gute alte Friedrich Schiller hat ein tolles und immer noch aktuelles Gedicht darüber geschrieben:…..“Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, und würd‘ er in Ketten geboren;“….

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Gewissen – was ist das denn für eine Erfindung? Will ich das überhaupt? Mit einem guten Gewissen irgendwo abhängen, das ist schon was Tolles, aber wann hat man das denn schon mal außer vielleicht im Urlaub. Schon in der Schule und im Studium hat man permanent das schlechte Gewissen, weil man eigentlich nie genug getan hat. Ist er nur Spaßverderber oder kann ich es sinnvoll nutzen.

Vielleicht kann ich mir ein schlechtes Gewissen ja auch zum Adjutanten machen und er muss meine Befehle ausführen? Sozusagen als Wecker, wenn ich die eigene Grenze meines eigenen Wertemaßstabs überschritten habe – dann könnte das ja doch ganz nützlich sein…..

Aber wie entsteht unser Wertemaßstab – woraus setzt er sich zusammen? Ich meine, wenn wir alles jemals Erfühlte, Durchdachte, Erlebte, Erlittene, Gesehene, Gehörte, aber auch Gelesene und Erträumte umsetzen in unser Leben, dann können wir daraus unseren ganz eigenen und zuverlässigen Wertemaßstab bauen. Sprich, wenn wir die Erfahrungen daraus, was z.B. schmerzhaft war oder was glücklich machte (um nur mal in schwarz/weiß zu zeichnen) so nutzen, dass unsere Handlungen davon geprägt sind und wir deshalb den Schmerz beim Anderen vermeiden und die Freude fördern, dann hat es funktioniert.

Es mag Menschen geben, die der Meinung sind, „das hab ich erlitten, wieso soll es dem Anderen besser gehen als mir“ – das hab ich nie verstanden – dann bin ich ja genau so blöd wie der, der mir das damals angetan hat. Wer will das denn wohl sein?

Leider weiß ich auch von Menschen, die im festen Glauben, etwas Gutes zu tun das allergrößte Unheil anrichten – auch die Geschichte hat da ja leider Beispiele. Diese Extreme haben sicherlich irgendwelche anderen Ursachen, die ich hier jetzt gar nicht anschneiden möchte –  da käme ich schnell an meine Grenzen – keine Ahnung, was da alles schief gelaufen ist. Ich bleib im ganz „normalen“ Alltag.

Wie toll, wenn ich nicht jede Situation neu überdenken muss, sondern wenn ich meinen Adjutant mit meinem Wertemaßstab so geprägt habe, dass er sofort die rote Karte zieht und sagt „Stopp, bis hier her und nicht weiter“. Das ist ja echt eine tolle Erfindung, rasend schnell führt er meine Befehle aus – hat etwas von Autopilot für mich. Das Gute ist, dass dieser Wertemaßstab ja täglich neu von mir weiter gebaut, in Frage gestellt und ergänzt wird. Da hat „unser Erfinder“  uns wahrlich einen tollen Helfer an die Seite gestellt.

Aber ich bin sicher, es gibt noch so viele andere wundervolle Beispiele, wo ein schlechtes Gewissen ein toller Freund und Helfer ist – da hat sicherlich jeder schon seine spannenden Erfahrungen gemacht. Vielleicht mögt Ihr berichten…..

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Futter für den Verstand    –

Hier sind sie die Antworten auf: warum lässt Gott das zu…..? und all das, was es so schwer macht, an einen liebenden Gott zu glauben. Wir alle haben unser wie-auch-immer-Bild von Gott im Kopf und der Verstand hämmert mit seinen Fäusten dagegen an. Für mich war es ein Befreiungsschlag, als ich dieses Buch in die Hände bekam. Es stellt so rigoros alles „Alte“ in Frage, dass man frei wird für eine neue Denkungsart und Zusammenhänge versteht.

Mack hat das Schicksal schwer getroffen und er hadert ganz schrecklich mit Gott, ist so richtig sauer auf ihn. Als er eine Einladung erhält, an den Ort des Grauens zurück zu kehren und dort ein Wochenende mit Gott zu verbringen, geht er mit vielen Zweifeln hin um da mal Klartext zu reden.

Gott begegnet ihm als strahlende, dicke, große Afroamerikanerin, als Zimmermann – ok und als flirrende Asiatin. Mack zweifelt an seinem Verstand, das kann ich gut nachvollziehen. Aber Gott erklärt, dass sie/er ganz bewusst raus will aus dem vorhandenen Denkmuster in Mack’s Kopf.

Natürlich – bei aller Höflichkeit – knallen die Vorwürfe aus Mack raus, die er in all den Jahren gegen Gott angesammelt hat. Er bekommt und erlebt faszinierende Antworten – in einer Fülle – dass ich diesen Teil des Buches schon x-mal gelesen habe – umwerfend. Endlich klatscht mein Verstand mal Beifall bei dem Thema.

Kein Wunder (oder eben doch) dass dieser so spannend geschriebene Roman „Die Hütte“ 70 Wochen die Nummer 1 der Bestsellerliste der New York Times war. Bereits Anfang 2010 war „die Hütte“ mit einer Auflage von mehr als 10 Millionen und Übersetzungen in 34 Sprachen ein durchschlagender internationaler Erfolg. Dass konservative christliche Theologen mit dem Buch ein Problem haben – ist auch gut so. Es kommt ein neuer, unendlich liebevoller Gott zum Vorschein – so viel größer, als wir ihn je gesehen haben.

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