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Archive for September 2012

Gibt es irgendwo ein unbeeinflusstes „ich“? vermutlich nicht – denn wir formen uns immer wieder um, weiter, neu = wachsen. Wer und was darf alles mitreden in diesem kreativen Gestaltungsmodus, wem gebe ich das Recht oder sogar den Auftrag dazu. Durch was für Hintertüren kommen sie rein, die ungebetenen Bildhauer?

Wo fängt es an, wo findet Wertevermittlung statt: im Elternhaus, in der Schule – wenn ich Glück habe – dann evtl. bei guten Freunden und vielleicht begreife ich was beim Lesen toller Bücher – und dann ist da das Leben an sich und bin ich ehrlich, dann begreife ich Werte am besten und schnellsten, wenn es schmerzhaft wird. Das sieht ja ganz überschaubar aus und gaukelt mir vor, dass hab ich im  Blick und im Griff – aber ich befürchte, ungefragt wirkt da unser ganzes Umfeld kräftig mit. Ich werfe mal ein paar Beispiele in den Ring.

Was machen Filme mit mir, wo es um Kampf, Mord, Intrige geht – wo so viel Schlimmes passiert, dass ich als Zuschauer im gemütlichen Sessel auch längst Partei ergriffen habe und denke/fühle: ja weg damit, mach ihn kalt? An welchen emotionalen Strippen hänge ich dann als Marionette – Aggressivität, Menschenfreund, Harmonie? Ich weiß, man kann so herrlich die Firma vergessen, das Gedankenkarussell abschalten bei solchen Filmen? Kennen wir den Preis? Klar kenn ich auch den Satz, Filme lassen Männer außen vor – nur Frauen sind da so emotional. Da muss ich beim Anblick mitfiebernder Fußball-Männer vorm Fernseher aber herzhaft lachen.

Schon Kinder schießen sich mit ihrem Spielzeug die Bahn frei zum nächsten Level. Geht das wirklich spurlos an ihnen vorbei – ich denke nicht. Mitfühlende Emotionen werden dann mit Pflegetierchen auf dem Handy oder Computer erzeugt, die gefüttert und bespielt werden wollen. Wohin geht da die Reise? Mich gruselt es da kräftig.

Bin ich viel mit Menschen zusammen, die unter der Last dieser Welt leiden, schimpfen, alles fürchterlich finden, das Positive in ihrem Leben gar nicht wahrnehmen und in ihrer Hilflosigkeit keinen Ansatz sehen, etwas in ihrem Leben zu ändern, dann zieht es mich mit runter. Selbst die „wie-ist-das-wetter-laber-rhabarber-Gespräche“ ziehen Energie ab – da sehen Treffen mit positiv gestimmten Menschen viel inspirierender aus. Was nicht bedeutet, dass nicht jeder mal seinen Hänger hat.

Ach ja, selbst das Essen hat einen wesentlichen Einfluss auf meine Energiemenge – jedenfalls bei mir. Süßigkeiten – ich würde sie sooo gerne essen – machen mich so was von müde und schlapp, das geht gar nicht.

Hab vor Jahren höhnisch gelacht über die Rasierklinge für das Beste im Mann – wie es uns die Werbung versprach – keiner hat protestiert, dass der Bart das Beste sein soll. Aber so haben sie mich halt auch gekriegt, weiß leider heute noch, wie die Rasierklinge hieß. Also auch das, was ich missbillige beeinflusst mich ebenfalls. Selbst in manchen Eigenschaften abgelehnte Elternteile können einen so binden, dass man – leider unbewusst – diese Eigenschaften doch übernimmt.

Hallo, wo ist da mein freier Wille – wo sind die Stellschrauben, damit ich Herr meiner Werte bleibe und mir nicht als Gastgeschenk diese schlechte Laune, diese Aggressivität andrehen lasse. Wie krieg ich all die ungefragten Fremdbildhauer raus aus meinem Haus. Ich befürchte, da hilft kein Schild „Betreten verboten“ sondern nur die eigene leise Achtsamkeit – dieses immer wieder hinterfragen – ja, will ich das so? Diesen halben Schritt zurück treten, damit man den besseren Betrachtungsabstand gewinnt.

Wir haben so viel Handwerkszeug mit auf den Weg bekommen, dass wir sehr wohl die Stellschrauben stellen können. Wir können die Neugier und Lust nutzen, um uns selbst auf die Schliche zu kommen und Spielführer in unserem eigenen Leben zu werden.

Eins weiß ich genau – ich wollte und sollte nie Marionette werden.

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Ist Lob unser heimlicher Sehnsuchts-Motor, der uns immer wieder zur Höchstleistung antreibt? Wie wichtig darf mir die Anerkennung meines Umfeldes denn wirklich sein? Natürlich durchschaute ich meinen Chef bei dem Kompliment „ohne Flachs, dieses neue Projekt kann keiner so gut wie Sie“ und legte freudestrahlend noch ein Brikett drauf, übernahm auch noch diese Aufgabe und drehte mich noch schneller im Hamsterrad – obwohl ich den Trick ja eigentlich durchschaute.

Wo wurden wir so gepolt, dass wir alle Arme hochreißen, wenn Lob zu verteilen ist. Wieso sehnen wir uns so nach dieser Anerkennung der Anderen? Oh, ich befürchte, ich habe sehr viel in meinem Leben gemacht, was mir gar nicht unbedingt entsprach, was aber Lob oder Anerkennung verhieß.

Mein von mir sehr verehrter Vater hatte schon in meinen Kindertagen so eine super Meinung von mir, dass es sogar in seinen Augen ein Versehen sein musste, wenn ich was vermurkst hatte. Das war bei verhagelten Arbeiten in der Schule genauso wie bei anderen Dingen des täglichen Lebens. Wie sehr ich da wohl schon auf Zehenspitzen gelaufen bin, um in diesen tollen – viel zu großen Rahmen – hineinzupassen? Ich wär ja nicht im Traum darauf gekommen, da mal bewusst Mist zu bauen, wie sich das ja eigentlich für ein richtiges Kind vom Land gehört. (Abgesehen davon war dieser Revoluzzer-Platz schon von meiner großen Schwester besetzt – aber das ist ja wieder ein anderes Thema.)

Diese Erkenntnis im reifen Alter, dass auch wohlmeinende Eltern ganz schön belasten können, hat mich dann jedoch bei meiner eigenen Kindererziehung sehr entlastet – es gibt keine Erziehung die nicht auch „Nachteile“ mit sich bringt. Also konnte ich so sein, wie ich vom Herzen entschieden hatte. Das war ein Befreiungsschlag…..

Hey, ist vielleicht der große Plan der, dass man hier auf Erden gar nicht in Watte gepackt daher kommt, sondern an der Reibung wächst? Sind diese „Nachteile oder Fehler“ der Eltern vielleicht das Schmirgelpapier um den Diamanten zum Strahlen zu bringen. (Wobei mir bewusst ist, dass leider auch wohlmeinende Eltern richtige Kerben in den Diamanten schlagen, die auch das Schmirgelpapier nicht mehr so leicht wegbekommt.)

Ja, ich glaube schon, dass wir nur an Reibung wachsen können. Klar ist das immer oder oft mit Schmerzen verbunden – Wachstumsschmerzen. Au weia, dann ist ja der, an dem ich sehr leide, gleichzeitig mein größter Lehrmeister. Das muss man ja auch erstmal verkraften. Soll ich dem wohlmöglich noch dankbar sein für seine Unverschämtheiten? – oh oh, da sind schon eine Menge wilde Überlegungen möglich….. ich stelle sie einfach mal so in den Raum denn ich schweife ab.

Was macht meinen Wert aus – werde ich nur geliebt, wenn ich mich lobenswert verhalte?  Was für eine Wohltat, wenn man ohne Erwartung geliebt wird. Peter Lauster, Hermann Hesse und viele andere beschreiben so wundervoll, dass Liebe keine Forderungen stellt – auch nicht wiedergeliebt zu werden oder gar mit dieser Liebe glücklich zu sein. So, wie wir einen Baum lieben würden, sagt Lauster, so sei Liebe – ganz ohne Erwartung.

Wenn ich mir dann noch auf die Schliche komme, was ich mir selbst für eine Messlatte gebaut habe, dann komme ich vielleicht aus dem Käfig der „Lobabhängigkeit“ raus.

Mein eigener Maßstab – wie ich sein will als Mutter, als Ehefrau, als Kollegin, als Freundin – kommt ratzfatz mit auf den Prüfstein. Will ich etwa das eigene Lob auch noch hören, mir selbst auf die Schulter klopfen können, was ich wieder alles Tolles unter einen Hut bekommen habe – auch wenn ich längst in die Knie gehe.

Mama mia, wir haben uns selbst auch reichlich im Würgegriff und sind gleich doppelt angemeiert. Dann kann ich noch nicht einmal sagen, ich habe es für die anderen gemacht – nein ich hab es für mich gemacht, um meinem Maßstab zu entsprechen. Wie enttäuschend ist das denn, dann kann ich ja gar kein Lob erwarten. Oh es ist so spannend, sich selbst auf die Schliche zu kommen, wundervoll befreiend, manchmal auch zum Lachen komisch.

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