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Wie verrückt dürfen oder müssen Visionen sein?

Erwachsene Elefanten kann man deshalb anketten, weil man dies schon im Kindesalter mit ihnen gemacht hat und sie tausendmal versucht haben, diese Ketten zu sprengen – damals vergeblich. Später hat es der Elefant dann gar nicht mehr versucht, als er es dann eigentlich konnte. Welch gerissener Trick.

Haben wir auch solche Fußfesseln, die in der Kindheit – oder auch später – angelegt wurden, die aber längst nicht mehr halten würden, wenn wir uns denn getrauten, es mal wieder auszuprobieren.

Wie komm ich dem überhaupt auf die Schliche, denn auch die Fußfessel nehm’ ich ja gar nicht mehr wahr. Hab sie ausgeblendet, um mich nicht weiter dran zu scheuern, um den Schmerz nicht zu spüren – ist ja eigentlich ein toller Mechanismus in uns, der dies ermöglicht. Diese Worte schreien eigentlich nach einem Waffenschein, die gut meinende Eltern/Lehrer/Freunde/Partner so von sich geben. Wir gehen hier mal vom unbewussten Verletzen aus – von dem was passiert wenn wir meinen, unsere Kinder auf das Leben so vorbereiten zu müssen, weil wir das Leben kennen und Enttäuschungen ersparen wollen. Ach was gibt es alles für plausible Erklärungen, wieso Eltern so sind wie sie sind.

Es scheint ja besser, man probiert in Kindertagen gar nicht so viel aus um nicht ein „das kannst Du sowieso nicht“ zu hören. Dann bleibt die Chance bestehen, dass man mit 30, 40 Jahren oder 50 oder 80, ganz egal, es doch einfach mal ausprobiert. Hab ich aber in Kindertagen gehört “das kannst Du sowieso nicht” dann geht es uns oft wie dem Elefanten, man probiert es nicht mehr aus.

Zurück zur Ausgangsfrage: wie komme ich mir auf die Schliche….. Vielleicht hilft es, sich ohne Schere im Kopf hinzusetzen und zu träumen: wenn die gute Fee käme und wir einen Wunsch frei hätten? Da wird uns schon einiges einfallen – nicht nur die Antwort – viel Geld oder Zeit! Sondern was will ich denn dann mit dem Geld/der Zeit machen, was kann ich dann endlich umsetzen, was mir bislang nicht gelingt. Oder, ja wenn ich Talent hätte, dann….. wenn ich jünger wäre, dann…. wenn ich …… Ihnen fällt bestimmt einiges dazu ein.

Sicherlich kennen Sie Biografien die beeindrucken weil jemand den Mut hatte, etwas auszuprobieren, was man selbst eigentlich auch gerne machen wollte. (Aber man hat es nie versucht, wir haben es doch im Ohr: kein Talent, keine Ausdauer, zu kurze Beine, stottert, keinen Geschäftssinn oder ich weiß nicht was.) Man ist ja Realist, kennt seine Grenzen. Hach, diese Grenzen sind selbst gemacht in unserem Kopf und sonst nirgendwo.

Wir haben eine solche Vielzahl von Talenten mit auf den Weg bekommen – es wäre doch gelacht, wenn wir da nicht noch eine Menge ausgraben können.

Wenn man Fußfesseln sprengt, dann werden so viel gestaute Kräfte aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst, von denen hat man vorher nur geträumt. Natürlich macht es erst einmal traurig, wenn man erkennt, wo man überall gefesselt ist – aber dann, wenn man sich traut, es ausprobiert – dann…….

Ich leihe mir einen Satz von Hilde Domin: „ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug!“

Unsere Träume und Visionen unterscheiden uns eindeutig von Elefanten – und töten das Damoklesschwert. Ach ja, wir sollten selbst achtsam sein, um unseren Kindern nicht selbst Fußfesseln anzulegen sondern Mut zu machen, den Fuß in die Luft zu setzen…..

Einflussnahme verboten

Gibt es irgendwo ein unbeeinflusstes „ich“? vermutlich nicht – denn wir formen uns immer wieder um, weiter, neu = wachsen. Wer und was darf alles mitreden in diesem kreativen Gestaltungsmodus, wem gebe ich das Recht oder sogar den Auftrag dazu. Durch was für Hintertüren kommen sie rein, die ungebetenen Bildhauer?

Wo fängt es an, wo findet Wertevermittlung statt: im Elternhaus, in der Schule – wenn ich Glück habe – dann evtl. bei guten Freunden und vielleicht begreife ich was beim Lesen toller Bücher – und dann ist da das Leben an sich und bin ich ehrlich, dann begreife ich Werte am besten und schnellsten, wenn es schmerzhaft wird. Das sieht ja ganz überschaubar aus und gaukelt mir vor, dass hab ich im  Blick und im Griff – aber ich befürchte, ungefragt wirkt da unser ganzes Umfeld kräftig mit. Ich werfe mal ein paar Beispiele in den Ring.

Was machen Filme mit mir, wo es um Kampf, Mord, Intrige geht – wo so viel Schlimmes passiert, dass ich als Zuschauer im gemütlichen Sessel auch längst Partei ergriffen habe und denke/fühle: ja weg damit, mach ihn kalt? An welchen emotionalen Strippen hänge ich dann als Marionette – Aggressivität, Menschenfreund, Harmonie? Ich weiß, man kann so herrlich die Firma vergessen, das Gedankenkarussell abschalten bei solchen Filmen? Kennen wir den Preis? Klar kenn ich auch den Satz, Filme lassen Männer außen vor – nur Frauen sind da so emotional. Da muss ich beim Anblick mitfiebernder Fußball-Männer vorm Fernseher aber herzhaft lachen.

Schon Kinder schießen sich mit ihrem Spielzeug die Bahn frei zum nächsten Level. Geht das wirklich spurlos an ihnen vorbei – ich denke nicht. Mitfühlende Emotionen werden dann mit Pflegetierchen auf dem Handy oder Computer erzeugt, die gefüttert und bespielt werden wollen. Wohin geht da die Reise? Mich gruselt es da kräftig.

Bin ich viel mit Menschen zusammen, die unter der Last dieser Welt leiden, schimpfen, alles fürchterlich finden, das Positive in ihrem Leben gar nicht wahrnehmen und in ihrer Hilflosigkeit keinen Ansatz sehen, etwas in ihrem Leben zu ändern, dann zieht es mich mit runter. Selbst die „wie-ist-das-wetter-laber-rhabarber-Gespräche“ ziehen Energie ab – da sehen Treffen mit positiv gestimmten Menschen viel inspirierender aus. Was nicht bedeutet, dass nicht jeder mal seinen Hänger hat.

Ach ja, selbst das Essen hat einen wesentlichen Einfluss auf meine Energiemenge – jedenfalls bei mir. Süßigkeiten – ich würde sie sooo gerne essen – machen mich so was von müde und schlapp, das geht gar nicht.

Hab vor Jahren höhnisch gelacht über die Rasierklinge für das Beste im Mann – wie es uns die Werbung versprach – keiner hat protestiert, dass der Bart das Beste sein soll. Aber so haben sie mich halt auch gekriegt, weiß leider heute noch, wie die Rasierklinge hieß. Also auch das, was ich missbillige beeinflusst mich ebenfalls. Selbst in manchen Eigenschaften abgelehnte Elternteile können einen so binden, dass man – leider unbewusst – diese Eigenschaften doch übernimmt.

Hallo, wo ist da mein freier Wille – wo sind die Stellschrauben, damit ich Herr meiner Werte bleibe und mir nicht als Gastgeschenk diese schlechte Laune, diese Aggressivität andrehen lasse. Wie krieg ich all die ungefragten Fremdbildhauer raus aus meinem Haus. Ich befürchte, da hilft kein Schild „Betreten verboten“ sondern nur die eigene leise Achtsamkeit – dieses immer wieder hinterfragen – ja, will ich das so? Diesen halben Schritt zurück treten, damit man den besseren Betrachtungsabstand gewinnt.

Wir haben so viel Handwerkszeug mit auf den Weg bekommen, dass wir sehr wohl die Stellschrauben stellen können. Wir können die Neugier und Lust nutzen, um uns selbst auf die Schliche zu kommen und Spielführer in unserem eigenen Leben zu werden.

Eins weiß ich genau – ich wollte und sollte nie Marionette werden.

Ist Lob unser heimlicher Sehnsuchts-Motor, der uns immer wieder zur Höchstleistung antreibt? Wie wichtig darf mir die Anerkennung meines Umfeldes denn wirklich sein? Natürlich durchschaute ich meinen Chef bei dem Kompliment „ohne Flachs, dieses neue Projekt kann keiner so gut wie Sie“ und legte freudestrahlend noch ein Brikett drauf, übernahm auch noch diese Aufgabe und drehte mich noch schneller im Hamsterrad – obwohl ich den Trick ja eigentlich durchschaute.

Wo wurden wir so gepolt, dass wir alle Arme hochreißen, wenn Lob zu verteilen ist. Wieso sehnen wir uns so nach dieser Anerkennung der Anderen? Oh, ich befürchte, ich habe sehr viel in meinem Leben gemacht, was mir gar nicht unbedingt entsprach, was aber Lob oder Anerkennung verhieß.

Mein von mir sehr verehrter Vater hatte schon in meinen Kindertagen so eine super Meinung von mir, dass es sogar in seinen Augen ein Versehen sein musste, wenn ich was vermurkst hatte. Das war bei verhagelten Arbeiten in der Schule genauso wie bei anderen Dingen des täglichen Lebens. Wie sehr ich da wohl schon auf Zehenspitzen gelaufen bin, um in diesen tollen – viel zu großen Rahmen – hineinzupassen? Ich wär ja nicht im Traum darauf gekommen, da mal bewusst Mist zu bauen, wie sich das ja eigentlich für ein richtiges Kind vom Land gehört. (Abgesehen davon war dieser Revoluzzer-Platz schon von meiner großen Schwester besetzt – aber das ist ja wieder ein anderes Thema.)

Diese Erkenntnis im reifen Alter, dass auch wohlmeinende Eltern ganz schön belasten können, hat mich dann jedoch bei meiner eigenen Kindererziehung sehr entlastet – es gibt keine Erziehung die nicht auch „Nachteile“ mit sich bringt. Also konnte ich so sein, wie ich vom Herzen entschieden hatte. Das war ein Befreiungsschlag…..

Hey, ist vielleicht der große Plan der, dass man hier auf Erden gar nicht in Watte gepackt daher kommt, sondern an der Reibung wächst? Sind diese „Nachteile oder Fehler“ der Eltern vielleicht das Schmirgelpapier um den Diamanten zum Strahlen zu bringen. (Wobei mir bewusst ist, dass leider auch wohlmeinende Eltern richtige Kerben in den Diamanten schlagen, die auch das Schmirgelpapier nicht mehr so leicht wegbekommt.)

Ja, ich glaube schon, dass wir nur an Reibung wachsen können. Klar ist das immer oder oft mit Schmerzen verbunden – Wachstumsschmerzen. Au weia, dann ist ja der, an dem ich sehr leide, gleichzeitig mein größter Lehrmeister. Das muss man ja auch erstmal verkraften. Soll ich dem wohlmöglich noch dankbar sein für seine Unverschämtheiten? – oh oh, da sind schon eine Menge wilde Überlegungen möglich….. ich stelle sie einfach mal so in den Raum denn ich schweife ab.

Was macht meinen Wert aus – werde ich nur geliebt, wenn ich mich lobenswert verhalte?  Was für eine Wohltat, wenn man ohne Erwartung geliebt wird. Peter Lauster, Hermann Hesse und viele andere beschreiben so wundervoll, dass Liebe keine Forderungen stellt – auch nicht wiedergeliebt zu werden oder gar mit dieser Liebe glücklich zu sein. So, wie wir einen Baum lieben würden, sagt Lauster, so sei Liebe – ganz ohne Erwartung.

Wenn ich mir dann noch auf die Schliche komme, was ich mir selbst für eine Messlatte gebaut habe, dann komme ich vielleicht aus dem Käfig der „Lobabhängigkeit“ raus.

Mein eigener Maßstab – wie ich sein will als Mutter, als Ehefrau, als Kollegin, als Freundin – kommt ratzfatz mit auf den Prüfstein. Will ich etwa das eigene Lob auch noch hören, mir selbst auf die Schulter klopfen können, was ich wieder alles Tolles unter einen Hut bekommen habe – auch wenn ich längst in die Knie gehe.

Mama mia, wir haben uns selbst auch reichlich im Würgegriff und sind gleich doppelt angemeiert. Dann kann ich noch nicht einmal sagen, ich habe es für die anderen gemacht – nein ich hab es für mich gemacht, um meinem Maßstab zu entsprechen. Wie enttäuschend ist das denn, dann kann ich ja gar kein Lob erwarten. Oh es ist so spannend, sich selbst auf die Schliche zu kommen, wundervoll befreiend, manchmal auch zum Lachen komisch.

China 1

Visier auf, Rüstung ablegen – oh oh, das könnte gefährlich werden. Meinem Umfeld (Kollegen, Partner, Freunden) zeigen, wo ich verletzbar bin – zu riskant – speziell im Job. Das kann man nicht machen, das wird ausgenutzt und schwups ist man ein Weichei dem man nichts mehr zutraut – nee nee, das geht nicht.

Urteile ich vielleicht auch so über Andere die zugeben, nicht alles so perfekt im Griff zu haben? Bin ich auch längst so gepolt, dass man Sieger sein muss, immer, überall, auf jedem Gebiet. Eigentlich wissen wir doch längst, jeder ist nur auf manchen Gebieten Sieger – wenn überhaupt.

Wie wohltuend, wenn es die seltene Gelegenheit gibt, dass ein geschützter Raum es möglich macht sich zu öffnen. Ich erinnere mich an einen Flug von Düsseldorf nach London, der ausfiel und wir – alle so zwischen 20 und 30 Jahre alt damals – die Nacht am Flughafen verbrachten (Billigflug, nix mit Hotelersatz). Die Not hatte uns zusammen gewürfelt und man sprach mit einer seltenen Offenheit in der Gewissheit, die seh ich sowieso nicht wieder. Wir waren alle selbst erstaunt über dieses Phänomen, sprachen es auch an. Die tollsten Gespräche ergaben sich, waren eine große Bereicherung und zauberten eine Nähe mit diesen wildfremden Menschen, die wir nie für möglich gehalten hätten. Unfassbar viele Barrieren wurden übersprungen – Menschen, die wir als uninteressant abgestempelt oder in andere bescheuerte Schubladen gepackt hätten standen im strahlenden Licht durch ihre Offenheit.

Oder deutlich später eine Diskussionsrunde wo jemand gestand, dass er überzeugter Christ sei aber als Naturwissenschaftler nicht an ein Leben nach dem Tod glauben könne – wir saßen wohl mit offenem Mund da, bis ich mich für sein Vertrauen und seine Offenheit bedankte. Er meinte, das kann ich nur hier sagen, mein Bruder würde es mir ein Leben lang auf’s Butterbrot schmieren. So mag es hin und wieder anonyme Kreise geben, wo man sich öffnen kann.

Wo und wann bin ich eigentlich verletzbar, ist mir das überhaupt noch bewusst, was ich alles schützen möchte? Ich meine, es sind die Sachen, die mir kostbar sind, die mir viel bedeuten, oder etwas was mir Angst macht. Vielleicht wurde ich mal so verletzt dass es immer noch eine Wunde gibt und mein Schutzwall so groß ist, dass ich selbst  - auch in Ausnahmefällen – da nicht  mehr ran käme. Hab mir längst eingeredet, dass das alles so in Ordnung ist und begrenze mich so immer mehr. Wenn ich mich vorsichtig öffne und dann kommt der falsche Satz oder vielleicht auch nur der falsche Blick – zack mach ich die Schalen wieder zu wie bei einer Muschel.

Ist es nicht auch dann, wenn ich Fehler eingestehe statt sie irgendwie so hinzubiegen, dass es entweder eine Bagatelle oder ein Scherz war und von mir ja gar nicht so gemeint? Oder ich verdrehe alles so, dass ich sogar noch wie das Opfer erscheine statt mich zu entschuldigen für den Quatsch, den ich da verzapft habe. Mache ich mich verletzbar (erpressbar) wenn ich etwas zugebe, was ich mal „verbrochen“ habe? Das könnte der Andere ja ganz übel ausnutzen nach dem Motto – „ja, Du hast ja damals auch……..“ und schon ist man geschwächt.

Sich in der Firma verletzbar machen – zugeben, dass man zu Hause Stress hat, ein krankes Kind oder seine alten Eltern pflegen muss – da erhält man schnell einen Stempel: nicht mehr voll leistungsfähig, Vorsicht bei Beförderung oder bei verantwortungsvollen Aufgaben etc. Macht man sich nicht auch verletzbar, wenn man seinem Vorgesetzten gesteht, dass man kurz vor dem burnout steht (und allem, was dieser Begriff noch bedeutet). Oh was müssen wir alles schützen – und im Job scheint es mir besonders heikel zu sein.

Aber privat???? – in einer liebevollen Partnerschaft – kann ich mich da verletzbar machen? Schwächen, Sorgen, dunkle Stellen aus der Kindheit und vieles mehr aussprechen – oder muss ich da auch noch den starken Max spielen.

Verletzlichkeit – das kann man wohl von vielen Seiten beleuchten:

was gewinne ich mit meiner Offenheit. Ich meine, ich bekomme sehr viel Nähe geschenkt, denn Mauern schaffen Distanz, das kann nichts werden. Nur mit Offenheit und Ehrlichkeit ist Hilfe möglich. Wie sollen denn Freunde wissen, wie sie helfen können, wenn ich nicht zugebe, wie schrecklich etwas ist oder war, was da passiert ist. Sicherlich ist da der Job immer wieder differenziert zu betrachten, aber verstehen und helfen können Andere auch nur dann, wenn sie wissen, wo der Schuh drückt.

wie verhalte ich mich selbst, wenn mir eine solche Offenheit begegnet? Wie reagiere ich wenn mir der Andere mit wundervoller Offenheit sagt, was ihn sorgt. Da musste ich auch ganz schön lernen, in meiner Betroffenheit nicht gleich die guten Ratschläge rauszuschleudern, die er selbst vermutlich alle selbst schon ausprobiert hat. (Ratschläge sind auch Schläge hab ich mal gelernt). Einfach nur da sein, verstehen und die Schwere erkennen ist glaube ich schon ein guter Schritt.

Ich meine, dies ist eine gute Stelle mal innezuhalten und zu schauen, wie gehe ich mit der Offenheit/Verletzlichkeit Anderer um. Kann ich das überhaupt aushalten? Wie gehe ich mit meiner Hilflosigkeit um, dieses Problem des Anderen nicht lösen zu können? Nur einfach (haha) eine Plattform zur Verfügung zu stellen, darüber überhaupt mal zu sprechen das ist manchmal schon Erlösung. Bei mir hilft „mit Anderen reden“ auch, um für mich Klarheit zu schaffen in meinem Gefühlschaos – insofern ist ein Zuhörer schon eine Kostbarkeit. Aber ich muss zugeben, dass ich auch da bereits meine Grenzen kennengelernt habe. Nur als Auffangbecken für die anderen Probleme da zu sein, zuzuhören, das fällt mir manchmal schwer. Die nötige Distanz zu finden und sich nicht runterziehen zu lassen von den Problemen des Anderen ist manchmal nicht leicht.

Wie reagiere ich als Chef, wenn mir Schwächen mitgeteilt werden. Sind Mitarbeiter nur Leistungspunkte, die meinen eigenen Erfolg stützen? Hab ich überhaupt den Umgang mit Schwächen gelernt, gibt es diesen Punkt im Studium?

Welche Selbstschussanlagen habe ich an meiner Grenze aufgebaut, wenn es an meine heiklen Themen geht. Oh, da haben wir uns schnell Muster angelacht, wie wir das Thema abwürgen können….. Ein Witz darüber, schnell alles ins Lächerliche ziehen und schon hat keiner mehr Lust nachzufassen. Oder manchmal können wir auch wirklich und ehrlich begriffsstutzig sein, weil wir es selbst schon nicht mehr sehen, dieses Problem. Wir können auch rabiat werden, wenn jemand ein heißes Eisen anfasst. Ach, ich glaube, es lohnt immer den zweiten Blick, wenn wir etwas vehement abstreiten, dann scheint Wahrheit dahinter zu stecken. Es soll sogar manchmal so sein, dass ich etwas am Andren verachte, was ich an mir nicht aushalten kann. Eigentlich verrate ich recht deutlich mit meiner Selbstschussanlage, wo meine verletzbaren Stellen sind. Falls ich auf der Suche bin, um mir selbst auf die  Schliche zu kommen, dann wäre das eine heiße Spur.

Irgendwo beim Discounter muss es die doch geben – und zwar ratzfatz sofort bitte. Hatte ich davon eigentlich mal Vorräte oder war die immer sofort aufgebraucht – kann mich gar nicht so recht erinnern, wo die mal rumlag diese Gelassenheit. Erinnere mich mehr an dieses HB-Männchen aus dem Kino – das kennen sicherlich nicht mehr viele – das sofort in die Luft ging, wenn etwas nicht so klappte.

Dabei ist Gelassenheit ja ein ganz kostbares Ding – Souveränität, heitere Besonnenheit, sogar Abgeklärtheit, Ausgeglichenheit, Toleranz und Distanz halten sich in dem Wort versteckt – sagt das Internet. Dann will ich das erst recht sofort bitte. Aber irgendwie ist die Gebrauchsanweisung nicht zur Hand.

Ist das etwa wieder so etwas, was ich mir erarbeiten muss? Oh nicht schon wieder. Wie kann ich es schaffen, dass ich einer kribbeligen Situation nicht hilflos ausgeliefert bin und nur noch instinktiv reagieren statt agieren kann. Fangen wir mal ganz klein an – im Straßenverkehr. Klar wissen wir längst das Spurenhopping in der Stadt nichts bringt – aber irgendwie scheint es uns glauben zu machen, wir tun was gegen den Stau und sind ihm nicht hilflos ausgeliefert. Aber wie verkrampft sitzen wir hinter dem Steuer statt mit Gelassenheit toller Musik zu lauschen und genau so schnell-langsam aber deutlich erholter ans Ziel zu kommen wie der Hopper. Oder an der Kasse wo wir wieder in der Schlange stehen, wo nur Langweiler sind. Wie viel wohler fühle ich mich selbst mit südländischer Gelassenheit, die ich im Urlaub doch immer so bewundere, wenn noch ein paar Sätze getauscht werden beim Kassieren.

Wer sitzt mir da eigentlich im Genick und jagt mich – bin ich das etwa wieder selbst? Je länger ich da drüber nachdenke, desto besser kann ich benennen, was ich will und was nicht. Also, ich will nicht diese halb tote Abgestumpftheit, die man auch für Gelassenheit halten könnte – nein die will ich nicht. Ich will diese heitere, leichte, distanzierte, wohlwollende Einstellung, die mich so erhaben auf alles schauen lässt und mit kühler und doch warmherziger Hand alles regeln lässt. Ja, genau die soll es sein, wo plötzlich alles so leicht dahinperlt. Ach, ist doch mal gut, sich darüber Gedanken zu machen – wie gut dass ich nun weiß was ich will.

Erst einmal entscheide ich, dass weder der Autofahrer, der Kassierer, der Kollege, der Chef oder überhaupt irgendwer das Recht hat, mich zum HB-Männchen zu machen. Das wär schon mal geklärt. Ich glaube, am einfachsten ist es für mich, wenn ich erst mal wohlwollend an alles rangehe, das sich mir vermeintlich in den Weg stellt – wenn ich davon ausgehe, dass keiner mich ärgern/verletzten will. Wenn ich einfach alle Menschen zu meinen Freunden erkläre – würde das nicht helfen? Wenn mich der drängelnde, spurhoppende  Autofahrer nur daran erinnert, dass ich auch mal diese schreckliche Zeit ohne Gelassenheit kannte als ich wie ein gehetztes Reh verkrampft hinterm Steuer saß; wenn der ungerechte, tobende Chef mir nur zeigt, wie er unter Druck steht und ich mich gar nicht angesprochen fühlen muss. Was würde wohl geschehen, wenn ich ihn frage, was ich tun könnte, damit es ihm besser geht – ob er dann das HB-Männchen macht und rausrennt?

Ganz schlimm unter Druck gerate ich, wenn ich alles selbst machen will – oder meine, alles selbst machen zu müssen. Ja, da hab ich in der Tat ein Geheimrezept, was sicherlich nur schwer zu verstehen ist, wenn man es nicht einfach mal selbst ausprobiert. Ich gehe möglichst noch mal einen Schritt zurück und schau mir alles positiv an, vertraue auf einen großen Plan und dieses Gefühl in mir – ganz gleich ob wir dies Intuition nennen oder den großen Schöpfer oder wie auch immer. Ich weiß, hört sich schwierig an, ist aber ganz einfach. Vermutlich kann man es sich am besten so vorstellen, dass dann alles so läuft – so mit leichter Hand – als wenn man wahnsinnig gut drauf ist, dann schafft man ja auch oft das doppelte Pensum von dem was sonst zu schaffen ist wenn man vielleicht verbissen an die Projekte ran geht. Es geht alles einfacher von der Hand – so ratzfatz. Wetten, dass Sie dann Ideen haben, auf die Sie sonst nicht gekommen wären – Ok ok, ist ungewohnt, aber nur, wenn man es nicht ausprobiert…..

Schnell weg und wieder ins „normale“ Fahrwasser. Ich kann Gelassenheit vielleicht auch dann erlangen, wenn ich mich ab und zu in die Lage des Anderen hineinversetze, schaue, was wohl seine Gründe sein mögen, so zu reagieren. Oftmals würde ich ihn sogar verstehen und es genau so machen wie er – ich hatte nur einen ganz anderen Gedankenansatz, der mich so ungeduldig machte. Ja, ist Ungeduld das Gegenteil von Gelassenheit? Ich denke es ist noch mehr – Aufgeregtheit, Missgunst, Spannung, Wildheit und noch mehr finde ich dazu im internet – ich möchte sogar noch Egoismus hinzufügen, dass nur meins wichtig ist….

Ach ja, mal alle Fünfe gerade sein lassen, nicht so perfekt sein wollen ist bestimmt ein toller Schritt in die richtige Richtung. Vertrauen können, dass die Kinder, die Kollegen oder überhaupt die Anderen auch richtige Wege gehen, ohne dass ich es permanent kontrolliere – eine positive Erwartungshaltung hat ja auch schon reichlich Türen geöffnet.

Wie hoch steck ich meine Ziele – sind es wirklich meine Ziele oder sind es auch von „was sollen die Nachbarn sagen“ geprägte Bilder?

Weglachen den ganzen Quatschkram, sich selbst mal aus einer Distanz zu beobachten macht schon manchmal deutlich, wie albern wir uns verhalten – wie HB-Männchen eben, da kann man sich schon köstlich über sich selbst kaputtlachen – das hilft ungemein.

Ja, tatsächlich kriegt man im Alter ganz viel Gelassenheit geschenkt – das macht frei – man macht sich nicht mehr für all den Blödsinn verrückt, man hat begriffen, dass es viele Wege gibt zum Glück. Ich erinnere mich gerade an einen Ausspruch eines damals sicherlich ca. 80jährigen Besuchers als wir feststellten, dass unser junger Hund den antiken Flurschrank angefressen hatte – und zwar ordentlich. “Ach, in 20 Jahren werdet ihr fragen – wie hieß noch mal der Hund der damals den Schrank angefressen hat?”

Ja, diese Schaukelstuhl Frage, wenn wir mit 100 Jahren auf unser Leben zurück blicken und uns fragen was war wichtig – ob dann dieser Augenblick dazu zählt, den wir gerade so wichtig nehmen dass wir zum HB-Männchen werden könnten?

Wie viel souveräner bin ich doch mit einem dicken Polster an Gelassenheit – da werd ich noch mal ordentlich dran arbeiten – es scheint sich zu lohnen…….

Ich wünsch  Euch so viel Gelassenheit, dass sie Euch aus den Taschen quillt – auf Vorrat sozusagen………

Da sind wir uns doch alle einig – wir wollen ihn haben den Erfolg. Nur sicherlich versteht jeder etwas anderes darunter. Der Eine ist erfolgreich wenn er Auto, Haus, Pferd besitzt, der Andere, wenn er seine work-life-balance hinbekommt und der Dritte ist erst glücklich wenn er auf dem Treppchen steht und nicht die Häme der Nation erntet, weil es „nur“ der 4. Platz bei Olympia war – ja und für einige ist es wichtig, sich auf ihrem „inneren Weg“ weiter zu entwickeln um mit sich selbst in Frieden leben zu können – um das warme Gefühl der Zufriedenheit und Dankbarkeit zu leben.

Gerade heute hörte ich, wie nachhaltig die Paralympics unser Bild von den besonderen Sportlern/Menschen verändert haben. Wie anders wir Behinderung auch im Alltag wahrnehmen – das ist ein Riesenerfolg. Der Slogan „spar dir dein Mitleid für meine Gegner auf“ gefällt mir sehr. Diese Menschen können alles genau so gut – bis auf das eine, wo gerade die Behinderung liegt. Behandelt werden sie wohl oft so, als wäre mit der Unfähigkeit zu laufen auch das Denken und vieles Andere eingeschränkt.

Aber auch im Berufsleben kann Erfolg Mut machen „vom Tellerwäscher zum Millionär“ hat schon Generationen dazu gebracht, nicht aufzugeben. Nach dem „hinfallen“ wieder aufzustehen und es erneut zu versuchen. Was bedeutet der Erfolg von Obama für all die Afroamerikaner – unfassbar – yes we can!

Nach meinen eigenen Maßstäben erfolgreich zu sein – ja, das macht was mit mir. Im Idealfall lässt es mich leicht und locker durch die Welt spazieren. Gibt mir das Gefühl am richtigen Platz zu stehen und ich denke, es schenkt mir (meistens) auch Zufriedenheit. Ich kenne jedoch auch den Ausspruch eines Vorstandsvorsitzenden eines großen Unternehmens: „ich war doch selbst viele Jahre Kollege im Vorstand und nun als Vorsitzender bin ich plötzlich kein Kollege mehr? Ich wusste nicht, dass ich als Vorsitzender so einsam sein werde.“

Haben wir selbst definiert, wann wir erfolgreich sind oder definiert das die Gesellschaft – vielleicht bedeutet es auch nur „immer höher, immer weiter, immer mehr“ egal wo wir stehen. Man darf nicht stehen bleiben auf einer Stufe, es muss noch was Besseres kommen. Ist jeder, der nicht erfolgreich ist, eigentlich schon ein Versager? Gibt es das anerkannte Mittelmaß noch wo man zufrieden ist mit dem Erreichten? Muss man sich schon als Aussteiger outen – wenn man sich für den Erfolg nicht abhetzt und verbiegt?

Dann gibt es auch diese Sehnsucht zu den Erfolgreichen zu gehören und hat als letzte Verzweiflungstat für den eigenen Erfolg nur noch das Rezept „über Leichen zu gehen“, skrupellos die eigenen Interessen durchzusetzen, komme was wolle. Es gibt den „Erfolg“, der einen selbst und das Umfeld unglücklich macht – vielleicht sollte man ihn dann anders nennen. Ich habe zwar etwas erreicht, aber der Erfolg schmeckt schal. Man hat alles Materielle, aber keine Freunde mehr, vielleicht ist auch die Familie dabei zerbrochen. Man lebt in einer „kalten Pracht“ die zwar repräsentativ ist aber gar nicht der eigenen Gemütlichkeit entspricht.

Das tolle Auto macht nicht wirklich reich – es sind die Freundschaften, die warmen Beziehungen in denen man und mit denen man lebt, die zufrieden machen. Wir haben doch längst gelernt, dass das Besitzen nur ein kurzes Strohfeuer ist und schon nach ein paar Tagen wenn nicht gar Stunden langweilt.

Was erhoffe ich mir vom Erfolg: Glück, Ansehen, Zufriedenheit, Anerkennung – da müssen wir sicherlich manchmal lieber zweimal hinschauen, ob wir das tatsächlich da finden können, wo wir uns abmühen.

Wir sollten schon unseren Kindern klar machen, dass Erfolg ein zweischneidiges Schwert ist und manchmal an ganz anderen Stellen verborgen liegt, als wir es vordergründig suchen.

keine Angst im dunklen Keller, fasse Spinnen mit dem Handtuch an – wenn sie nicht zu dick sind – und setze sie vorsichtig raus. Da bin ich doch ganz schön mutig – oder? Bungee-Springen mach ich deshalb nicht, weil das den Gelenken nicht gut tut und für vieles andere hab ich auch ganz tolle Erklärungen.

Jeder hat sicherlich seine eigene Mut-Scala – wo sind da eigentlich unsere Vorbilder – holen wir uns die von den vielen Krimis, wo die Mutigen ja zuhauf geliefert werden, die dann mit den Fäusten oder der Knarre die Situation klären, die Unterdrückten befreien – na halt für Gerechtigkeit sorgen. Ich unterstelle mal, dass diese harten Kerle in der Notaufnahme des Krankenhauses schon schnell an ihre Grenzen kämen, das richtige Blut sieht doch irgendwie echter aus. Welcher junge Mann war eigentlich mutiger: der sich für den Wehrdienst oder der sich für den Zivildienst entschied? Ich behaupte mal, dass manch knackiger Fastsoldat vor den Herausforderungen eines Zivis im Umgang mit Alten oder Behinderten schlicht überfordert wäre und weglaufen würde.

Wen empfinde ich denn wirklich als mutig – wo ist meine Werteskala? Sich auf die Seite des Gemobbten stellen über den sich gerade die ganze Gruppe kaputtlacht, das scheint mir ganz schön mutig. Wo sind wir feige – wo sehen wir weg? Wo lassen wir Ungerechtigkeiten zu obwohl wir eine Stimme haben? Ich kenne sie auch nur zu gut die vielen Ausreden, wieso ich in dem speziellen Fall gerade nicht helfe – nur mit Mut hat das nix zu tun. Muss ich dann vielleicht nach außen noch mutiger tun weil ich das selbst nicht so gut aushalten kann, dass ich so feige bin? Kommen daher diese ganzen Kraftmeier?

Wie schaut es denn mit den Mutproben aus, die das Leben uns stellt: sich für Fehler zu entschuldigen ohne wenn und aber z.B. Oder da hinschauen, wo man wahrlich kein toller Kerl war – vielleicht hat es niemand mitbekommen, wie man jemanden übers Ohr gehauen hat – aber sich das mal einzugestehen, dass man gar nicht der Supermann oder die Superfrau ist, der/die man so gerne sein möchte. Sich dann auch so annehmen zu können mit allen Fehlen, Ecken und Kanten wie man ist – an Verbesserungen arbeiten und aufrecht durchs Leben gehen, das erscheint mir eine große Handlung. Es gibt nämlich keine Menschen ohne Fehler – also kann ich diese auch gleich zugeben und muss dieses unwürdige Spiel gar nicht mitspielen. Wie viel Kraftanstrengung kann ich sparen, wenn ich mir selbst eingestehen kann, dass ich auch mit Schwächen geliebt werde. Ach ja, wer legt die denn überhaupt fest diese Schwächen? Gibt es da irgendwo einen Katalog im Internet? Oder hab ich mir das selbst zurechtgeschustert?

Wieso begreifen wir so schwer, dass es so liebenswert macht, wenn man Fehler eingesteht, dass das Gegenüber dann nicht dieses unwürdige Spiel mitspielen muss – so zu tun, als würde er diese Schwächen nicht sehen oder noch schlimmer, den anderen noch für den nicht vorhandenen Mut loben soll. Wobei sicherlich zu definieren ist, was überhaupt ein Fehler ist. Wir sind da so schnell dabei, etwas in Falsch oder Richtig zu unterteilen, als gäbe es kein grau.

Ich fragte mal einen Polarforscher, was seine wichtigste Erkenntnis auf seinen Expeditionen gewesen sei: „es gibt dort kein Falsch – nur die Erkenntnis, dass der eingeschlagene Weg nicht zum Ziel führt.“ Hurra was für eine tolle Erkenntnis – wieso geht das nicht auch hier im richtigen Leben. Sollten wir auf diesem Weg Menschen verletzt haben, so entschuldigen wir uns und schon geht ein neuer anderer Weg weiter. Wäre das zu einfach?

In unserer Gesellschaft ist auch ein Mann der weinen kann mutig –  es ist sogar sehr wohltuend wenn man sehen kann, dass da Gefühle sind. Mutig ist, sich verletzbar zu machen – ach es gibt so viele tolle Momente mutig zu sein – dafür braucht man gar nicht die Faust oder die Knarre.

Ach, wenn wir doch schon den kleinen Jungs und Mädchen klar machen könnten, dass Fehler eingestehen Stärke ist, dass sie dann tolle Typen sind, wenn sie zugeben können, wenn was schief gelaufen ist. Seien wir mutig und machen es ihnen vor…….

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